Datenschutz, Netzpolitik & Grundrechte

Die Netzgemeinde aus dem Prekariat befreien

Am Freitag hat Sascha Lobo einen ausführlichen Rant über das Versagen der Netzgemeinde am Beispiel des deutschen Leistungsschutzrechts gebloggt. In vielen Punkten hat er recht. Im Zentrum des Problems steht aus meiner Sicht die fehlende Finanzierung für Netzpolitisches Engagement. Ein Henne-Ei-Problem.

Kurz zusammengefasst schreibt Sascha Lobo, dass wir - "die Netzgemeinde" - es bisher nicht geschafft haben, Menschen außerhalb der eigenen Interessensgruppe von der Relevanz unserer Themen und Anliegen zu überzeugen oder sie argumentativ überhaupt nur zu erreichen.

Weder unseren Eltern noch unseren jüngeren Geschwistern würden wir die gesellschaftliche Relevanz der netzpolitischen Themen verständlich machen können. Niemand von uns verfüge über ein selbstkontrolliertes Medium, das normale Leute wie unsere Eltern erreicht.

Darüber hinaus mangele es uns an Vernetzung (ja, wirklich!) und wären wir zu sehr damit beschäftigt unsere reichweitenschwachen Blogs zu pflegen anstatt leistungsstarke Netzwerke mit (Internet-)Unternehmern zu knüpfen und unsere Position in der politischen Landschaft au(f/s)zubauen und zu festigen.

Wow, das hat gesessen. Und warum? Weil er über weite Strecken recht hat.

Nur, warum ist das so?

Aus eigener Erfahrung aus 10 Jahren Aufbauarbeit bei EDRi weiß ich, dass wirklich professionell betriebene Netzpolitik (im Sinne einer zivilgesellschaftlichen Interessensvertretung) nur mit ausreichender Finanzierung möglich ist.

Solange wir davon abhängig sind, dass jemand von uns im richtigen Moment über genügend Freizeit und Antrieb verfügt um die aktuell brennenden Themen zu bearbeiten, werden wir Misserfolge wie das Leistungsschutzrecht in Deutschland hinnehmen müssen.

Dauerhafter Erfolg kann sich in der Netzpolitik – wie bei jedem anderen Unterfangen – nur durch aktive Beobachtung der politischen Landschaft, strategische Planung, Prioritätensetzung inhaltliche Analyse und Ausarbeitung von Positionen sowie professionelle Kommunikation einstellen. Wenn man das einmal erreicht hat, kommt man schließlich auch in die erfreuliche Position selbst die Themen vorgeben zu können, anstatt ständig nur auf Fehlentwicklungen zu reagieren.

Natürlich kann man auch mit ehrenamtlicher Arbeit Erfolge feiern. Aber nicht dauerhaft, da sich damit die erforderliche Kontinuität und Professionalisierung erreichen lässt. Ehrenamtliche Arbeit wird aber natürlich immer ein wesentlicher Faktor bleiben. Ohne geht es nicht. Im Kern dieser Ehrenamtlichen brauchen wir aber nachhaltige professionelle Strukturen, die uns mit Analysen, Informationen und Strategievorschlägen versorgen, Kampagnen planen und hochkarätige Kommunikationsstrategien entwickeln.

In der Praxis heißt das: Wir brauchen Geld. Mitarbeiter wollen fair entlohnt, Büromieten bezahlt und Drucksorten gekauft werden. Allein mit einem Flattr-Button auf unseren Blogs werden wir das nicht finanzieren können.

Und genau hier finden wir unser Henne-Ei-Problem: Die Netzgemeinde arbeitet nicht ausreichend professionell, weil sie kein Geld dafür hat, professionelle Arbeit zu bezahlen. Und sie hat kein Geld dafür professionelle Arbeit zu bezahlen, weil sie nicht ausreichend professionell arbeitet um breite Bevölkerungsschichten von ihren Anliegen zu überzeugen und deren (finanzielle) Unterstützung zu gewinnen.

Dieses Problem gilt es zu lösen. Wir müssen raus aus dem aufgeregten Aktionismus, der uns wie Pawlow's Hund auf extern vorgegebene Reize reagieren lässt. Wir müssen hin zu einer gut durchdachten, strategisch fundierten Arbeitsweise, die uns stetig unseren Zielen näher bringt.

Wie können wir das erreichen?
Gute Frage. Wir sollten uns ansehen wie es andere vor uns getan haben. Gewerkschaften, die Umweltbewegung, Tierschützer, … Sie alle hatten einmal nur ein Ziel und kein Geld.

Eines ist jedenfalls fix: Der Weg zu langfristigem Erfolg führt über ernsthafte professionelle Arbeit. Die gute Nachricht dabei ist: Niemand kann uns daran hindern Spaß dabei zu haben.

In diesem Sinne:
Unterstützt:


---
Bild: privacymemes

Flattr

Creative Commons Lizenzvertrag